Ansprache von Frau Andrea Manz (Kulturdezernentin Bad Kreuznach) anlässlich der Eröffnung von Wohllebens Kreuznacher Faust-Museum

Sehr geehrter Herr Dr. Wohlleben,
liebe Frau Wohlleben,
sehr geehrte Damen und Herren!

Ich grüße Sie alle auch im Namen von Frau Oberbürgermeisterin Dr. Kaster –Meurer, die zu dieser Stunde nicht hier sein kann. Nun ist es nicht alltäglich, dass sich die Kulturdezernentin in solch ungewöhnlichem Ambiente einfindet.

Zu verdanken haben wir dies zwei außergewöhnlichen Herren:

Zum einen keinem Geringeren als dem sagenumwobenen Magister Faust.
Eigentlich ein im wahrsten Sinne des Wortes „flüchtiger Moment“ in der Kreuznacher Stadtgeschichte, weilte er doch einst nur für wenige Monate in unserer Stadt. Dennoch bewegen sein und Schein der mystischen, schillernden Gestalt bis heute Heimatforscher und Wissenschaft. In der Kunst, insbesondere in Literatur und Film, fand er vielfältigen Niederschlag, jeweils eingefärbt nach Denken und Geschmack der Zeit. Grenzüberschreitendes Zauberwerk wurde ihm zugeschrieben, seine Hybris passgenau zum tragischen Charakter der klassischen Dramentheorie. Schon immer haben Dinge und Handlungen am Übergang zu Himmel und Hölle die Menschen in den Bann gezogen.
Das ihn begleitende Teufelswerk, das Satanische, unterstrich die Angst vor dem Anderen, dem Fremden – dies kam auch der Propaganda des Dritten Reiches zupass.
Vielseitig ist der Faust-Stoff also, „viel Schall und Rauch“ dabei, mühsam die Forschung nach dem Wahren, gilt es doch Quellen auszuwerten und in Übereinstimmung zu bringen. Äußerst wenige deuten dabei auf seine Kreuznacher Zeit hin.

Zum zweiten Herrn: Dr. Rudolf Wohlleben ist seit langem in der Heimatforschung engagiert. Die Würdigung regionaler Geschichte, hiesiger Schriftsteller und herausragender Söhne und Töchter der Stadt sind ihm ein Anliegen – und das ist grundsätzlich gut so. Wir kennen ihn als Mahner und eifrigen Kritiker – ohne Umschweife – der Museumsarbeit unserer Stadt.
Sein besonderes Interesse gilt nicht ganz einfachen Persönlichkeiten.
Intensiv hat er sich mit Leben und Werk Stefan Georges auseinandergesetzt und dies in einer Hinführung zu George dokumentiert. Sein Theaterstück „Isi und Stefan“ kam in der Bearbeitung von Ingo Rossbach mit hinreisenden Akteuren des VHS-Theaters „art“ vor Ort im Frühjahr im PuK zur Uraufführung und brachte uns Stärke und Schwächen des Dichters nahe.

Seit Jahren führt er das Projekt Faust-Museum im Schilde. Museen – der Begriff ist nicht geschützt – widmen sich dem Sammeln, Bewahren, Einordnen und erforschen von für die Öffentlichkeit bedeutsamen und lehrreichen Gegenständen.
In Bezug auf Faust ist es schwierig, hat er doch in Kreuznach kein derartiges Relikt hinterlassen. Das Projekt verweist daher bislang auf Quellenlage und Forschung. Ein heute zeitgemäßer, anschaulicher Kontext ist noch im Aufbau.

Ich sehe Bad Kreuznach nicht als künftige Faust-Stadt. Wohl wäre ein Hinweisschild auf die Römerhalle mit ihren einzigartigen Mosaikböden an exponierter Stelle angebracht. Als Kulturdezernentin wünsche ich mir Bad Kreuznach als lebenswerte und erlebenswerte Stadt. Faust ist da eine Episode wert, die im Zusammenwirken vieler Kulturbereiche durchaus sehens- und hörenswert wie eindrücklich gestaltet werden könnte.

Ausdrücklich danken möchte ich Dr. Michael Vesper für seinen Langmut, die gütige Beratung und weitest mögliche Begleitung in Sachen Faust.

Ich wünsche Rudolf Wohllebens Projekt gutes Voranschreiten, weiteres Gedeihen und so manchen magischen Moment! Ihnen und Ihrer Frau alles Gute!

Vielen Dank.
Andrea Manz
Kulturdezernentin
Stadt Bad Kreuznach

Veröffentlicht mit Einwilligung des Verfassers

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