Eröffnungsrede zur Einweihung von
Wohlleben`s

KREUZNACHER FAUST-MUSEUM

am 21.7.2011 — 17 Uhr

Dr.-Ing.Rudolf Wohlleben

Sehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr.Kaster-Meurer,
sehr verehrte Frau Kulturdezernentin Manz,
sehr geehrter Herr Landrat Diel – in Abwesenheit mit einer ausländischen Delegation–,
sehr geehrte Vertreter der Kreuznacher Tagespresse: Öffentlicher Anzeiger, Allg.Zeitung,
sehr geehrte Geschichtsfreundinnen und -Freunde der Stadt Bad Kreuznach.

Ein kleines Museum ist auch ein Museum, und so wird es heute für meine Helfer und mich ein erhebender Tag, wenn wir dieses –sagen wir – Provisorium mit der Chance auf Erweiterung im bescheidenen Rahmen nach einiger Anlaufzeit feiern können. Ich danke für die rege Teilnahme und freue mich über Ihr Interesse an der Geschichtsfigur des historischen Faust in unserer Heimatstadt.

Meine einführenden Worte möchte ich wie folgt gliedern :

  • Kurzer Rückblick auf frühere Bemühungen in Kreuznach in dieser Richtung.
  • Einige Bemerkungen zur Schautafel/Zeittafel und den Exponaten der Ausstellung.
  • Versuch einer Hinführung vom historischen Faust auf Maler-Müllers Werk.
  • Dank an die Helfer
  • Ausblick, Was wäre noch zu ergänzen in Zukunft? Kreuznach „FAUST-STADT“?


R ü c k b l i c k :

Ich bin mir darüber im Klaren, dass es eine Menge kluger Köpfe gab, die schon im 19.Jahrhundert mit der Frage umgingen: Wie können wir das Faust-Ereignis der Fremdenverkehrswerbung – heute sagt man „Marketing“ – nutzbar machen?, denn wir können nicht nur unsere Besucher – von Weither – „von einer Weinprobe zur nächsten schicken“, wie es mein Stadtvorsitzender J.Eitel einmal in einer Parteisitzung vorschlug, sondern wir sollten unser Nahetal auch kulturell unterfüttert anbieten, und das geht!
Auf dem Türsturz zum Kellereingang unseres FAUST-HAUSES in der Magister-Faust-Gasse ist die Jahreszahl 1592 eingeschlagen, also 52 Jahre nach dem Tod des historischen Faust, sodass er in diesem Steinhaus vermutlich nicht gewohnt hat, sondern eher in einem Holzhaus in der Säugasse, das irgendwann einmal abbrannte…
Die älteste schriftliche Darstellung zu diesem Thema fand ich in einem Artikel des Pfarrers Oertel (Pseudonym: W.O.von Horn) -in seinem Buch „BILDER AUS DEM NAHE-TAL“ von immerhin dem Jahr 1838 (!) mit dem Titel „Doctor Faust in Kreuznach“ (Öff.Anz. 1979).
Gustav Pfarrius hat bereits 1863 ein Werk „Sein und Schein“ geschrieben, das bei Westermann in Braunschweig erschien, im romantisierenden Stil, was als veraltet gelten kann.
Dann ist das Buch von Wilhelm Schneegans „Geschichte des Nahetals nach Urkunden und Sagen “, Sändig/Wiesbaden von 1889 (S.36-39,Johann, Georg Faust) zu erwähnen.
In der Festschrift zum 150.Bestehen des STA-MA-Gymnasiums 1969 kommt StR.Emil Walter Rabold das Verdienst zu, die Geschichte der „Lateinschule“ recherchiert zu haben, die Faust im Jahr 1507 für einige Monate geleitet haben soll; leider fand er keine neuen Quellen hierzu.
Nun, aktuellere Erwähnung verdient die farbenfrohe Bildergalerie im ersten Stock im Fausthaus, deren Ursprung erst etwa im Jahr 1983 (?) liegt, die auf den Sammeleifer unseres Ehrenbürgers Alex Jakob zurückgeht, was hier lobend erwähnt werden muss.
Es ist sicherlich sinnvoll, eine Darstellung des historischen Faust mit Gastronomie zu verbinden, aber ich brauchte etwa ein 3/4 Jahr, um diese Sammlung zu sehen; ich meine, eine solche Sammlung fürs Publikum muss leicht zugänglich sein, was für mich ein starker Beweggrund war, hier unser „Kelterhaus  – noch mein Grossvater Konrad produzierte auch Wein! –  für solch ein Museum zur Verfügung zu stellen; es liegt sozusagen eingebettet in den Weg, den unsere Stadtführer vom Kurhaus kommend, am Maler-Müller-Denkmal vorbei unter der alten Nahebrücke durch, leicht gehen können – ohne Zeitverzug.
Besondere Erwähnung verdienen auch die drei „FAUST-SYMPOSIEN“ von 1985, 1998 und 2000, die von Cl.. Schneider, Günter Dehe und Rolf Ebbeke – damals OB – organisiert und durchgeführt wurden.1984 war zu diesem Behuf der „FAUST-KREIS Bad Kreuznach“ gegründet worden, dem auch Alex Jacob, Joachim Rehbein und Dieter Gronbach angehörten; sie legten ein imponierendes Programm auf und wollten „Zuschüsse beantragen“. Die zugehörigen Dokumentationen fanden zwar ein gewisses internationales Echo – durch Referenten aus den USA! – aber die erwünschte „Erhellung“ der Kreuznacher Faustgeschichte blieb aus.
Wichtig für Kreuznach ist nun die Tatsache, dass laut deutschem, führendem Faust-Forscher, Günther Mahal / Maulbronn nur etwa fünf DIN A4-Seiten Quellen vorliegen, auf den für uns wichtigen „Trithemius-Brief“ des Sponheimer Abts von etwa 1.1/2 Seiten (gedruckt: 1536), also ein Drittel sämtlicher Quellen (!!) auf Kreuznach fallen, und das sollten wir ausschlachten!

Damit kommen wir zu den S c h a u t a f e l n, den Z e i t t a f e l n :

  1. Fausts Jugend / Studium ist bis 1507 zweigleisig, umstritten:
  2. Die grüne Tafel zeigt Dr. Günther Mahals Version : Geburtsort Knittlingen (bei Pforzheim), Vorname Johannes, Ausbildung: Kloster Maulbronn, Studium rel. unklar.
  3. Die weisse Tafel basiert auf Prof.Frank Baron/USA: Geburtsort: Helmstadt bei Heidelberg, Vorname Georg/Jörg, Immatrikulation: Heidelberg, Baccalaurius, Magister, was heute einem Dr.phil. entspricht.
  4. Wichtig: auf der grünen Tafel finden Sie rot markiert die 19 Quellen, die dann als einzelne DIN A4-Blätter chronologisch-geordnet auf der grossen Tafel wieder auftauchen und nachgelesen werden können.
  5. Tafel der Faust-Reisen, zu Fuss oder per Kutsche, sichere, eher legendenhafte…Nur nach Luftlinie: stolze 15 000 km (ähnl.wie Simplizius-Simplizissimus um 1640).
  6. Giftschrank-Zeichnung zum evtl. Nachbau mit alchemistischen Symbolen.
  7. Ledersäckchen mit Geheimrezept, gefunden in einer Mauerspalte in Knittlingen.
  8. Sehr schwierig gestaltet sich die Brücke zwischen unserem historischen Faust und unseres „grossen Sohnes der Stadt“ MALER-MÜLLERs Theaterstück, dem „Dramatisirten  Faust“ mit seinen 29 000 Zeilen: unspielbar!, editiert von Frau Dr.phil Ulrike LEUSCHNER, heute an der TU Darmstadt.
  9. 43 Varianten von Magie, Tafel: Faust, der Magier, Vortrag vor MM-Kreis Okt.2011.


D a n k s a g e n darf ich,

Frau Dr.Cornelia Schmidt/Einhornapotheke für diesen Ständer als Dauerleihgabe, Beispiel für weitere (wer hierzu spenden will, möge es hier ins Sparschwein tun, eine kostet 80.-€),
meiner Schwester Gisela für vorbereitende Arbeiten,
Herrn Dr. Vesper für die Einbindung des Museums in die Stadtführungen – wenn es denn gewünscht   ist -, und für seine Einführung heute,
Herrn Dipl.-Ing. Jürgen Barth für die Gestaltung der Internetseite (Homepage), die möglicherweise irgendwann mit der Stadtwerbung verlinkt wird,
Frau Hannelore Klemke aus Bonn und meiner Frau Rosemarie an der Sektbar und
Verlagen, die mir einige Bücher spendeten, die hier in der Büchervitrine zu finden sind. Das wertvollste unserer Sammlung sind diese 4  Faksimile-Nachdrucke in dieser Vitrine.

Im A u s b l i c k bleibt zu erwähnen :

  • Beschaffen einer (alten) Glasdestille zu einem Alchemisten-Laboratorium.
  • Modellbau einer Laterna Magica, mit der Faust vermutlich gearbeitet hat.
  • Vorbereitende Massnahmen für eine politische Durchsetzung der „FAUST-STADT KREUZNACH“ auf unseren Ortschildern, was ja bereits in den 80er Jahren diskutiert wurde (Verlesen von Dr.Mahal’s Äusserung hierzu).
  • Verhandlungen/Reise zum Faust-Archiv/Knittlingen wegen weiterer Schwerpunkte.

 

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und gebe das Wort weiter an Dr.Michael Vesper, samt der symbolischen Übergabe des Schlüssels danach an fünf Grusswort-Redner/innen.

Rudolf Wohlleben, Museumsleiter

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